Weihnachten in Trennungsfamilien – Anfangs eine große Herausforderung

Weihnachten ist für viele Familien eine emotionale Zeit.
Nach einer Trennung wird sie oft besonders herausfordernd – nicht, weil etwas falsch läuft, sondern weil sich die familiäre Realität verändert hat.

Ich habe selbst erlebt, wie schwer diese ersten Weihnachten sein können. Und ich begleite seit vielen Jahren Mütter, die genau in dieser Phase stecken: frisch getrennt, mitten im Prozess oder noch unsicher, wie es weitergehen soll.


Das Gespräch wurde im Dezember 2025 bei Deutschlandfunk Kultur ausgestrahlt.
👉 Hier kannst du das vollständige Interview hören und nachlesen:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/weihnachten-in-trennungsfamilien-anfangs-eine-grosse-herausforderung-100.html


Mein erstes Weihnachten nach der Trennung

Das erste Weihnachten nach meiner Trennung war nicht leicht.
Mein Ex-Mann und ich haben damals versucht, uns zusammenzureißen und ein harmonisches Fest zu gestalten. Das war keine gute Idee.

Wir wollten etwas herstellen, wofür innerlich noch keine Ruhe da war.
Im zweiten Jahr haben wir uns dann getrennt organisiert. Erst mit der Zeit – als die emotionalen Themen verarbeitet waren – wurde Weihnachten wieder leichter.

Heute weiß ich:
Weihnachten ist kein Zustand. Es ist ein Prozess.


Weihnachten darf sich entwickeln

Über die Jahre hat sich unser Umgang mit Weihnachten immer wieder verändert.
Nachdem mehr Ruhe eingekehrt war, haben wir viele Jahre gemeinsam mit den Kindern gefeiert – abends für ein paar Stunden, haben gespielt, waren zusammen. Das hat sich gut angefühlt.

Dieses Jahr ist es bei mir sogar ein großes Patchwork-Weihnachten: mit meinem neuen Partner, seinen Kindern, meinem Ex-Mann, meiner neuen Patchwork-Familie. Wir sind viele Menschen – und trotzdem fühlt es sich stimmig an.

Nicht, weil es perfekt ist.
Sondern weil es gewachsen ist.


Wer entscheidet eigentlich über Weihnachten?

Eine Frage, die mir oft gestellt wird:
Sollen die Kinder entscheiden, wo und mit wem sie Weihnachten verbringen?

Meine Antwort ist differenziert.
Alles, was große Verantwortung trägt, sollten Eltern zuerst unter sich klären. Wir geben den Rahmen, wir geben Stabilität.

Je älter Kinder werden – etwa ab 12, 13, 14 – kann man sie gut einbeziehen.
Aber auch das hängt davon ab, wie die Trennung verlaufen ist, wie die Eltern miteinander sprechen können und wie belastet die Kinder emotional sind.

Das muss man sich immer individuell anschauen.


Wenn die Trennung konflikthaft ist

Nicht jede Trennung ist friedlich.
Wenn man sich nicht mehr mag, wenn Gespräche sofort eskalieren, empfehle ich immer, eine dritte Person dazu zu holen. Eine neutrale Perspektive kann enorm entlasten.

Sobald starke Emotionen im Raum sind, können wir nicht mehr klar denken – und finden keine guten Lösungen.

Wenn Gespräche kaum möglich sind, kann es sinnvoll sein, Weihnachten erst einmal aufzuteilen. Diese Regelungen sind nicht in Stein gemeißelt. Sie dürfen sich verändern.


Warum Klarheit so wichtig ist

Ich bin eine große Freundin von Klarheit.
Gerade an Weihnachten.

Es gibt Trennungen, da kann man flexibel sein.
Und es gibt Trennungen, da braucht es erst einmal Struktur – und manchmal auch ein klares Durchziehen.

Grauzonen schaffen Unsicherheit. Sie lassen Raum für Spekulationen, Hoffnungen und Enttäuschungen.
Klare Regelungen geben Halt. Und wenn Klarheit da ist, kann im nächsten Moment wieder etwas anderes möglich werden.


Kurz vor Weihnachten – trennen oder warten?

Der Dezember ist tatsächlich ein typischer Trennungsmonat.
Viele Paare halten über die Feiertage noch zusammen.

Wenn es wirklich nur noch ein, zwei Wochen bis Weihnachten sind, rate ich oft dazu, noch einmal innezuhalten: die Feiertage für die Kinder zu gestalten – und danach, im neuen Jahr, die Trennung zu gehen.

Das ist keine Regel.
Sondern eine Orientierung, um zusätzlichen emotionalen Druck von den Feiertagen zu nehmen.


Wenn die Trennung ganz frisch ist

Ist die Trennung sehr frisch und die Emotionen sind noch sehr präsent, kann ein klarer zeitlicher Rahmen helfen.

Zum Beispiel: zwei Stunden zusammenkommen, Bescherung machen – und dann geht wieder jemand.
Viele sagen mir: Zwei Stunden halte ich das aus.

Das gibt Sicherheit.
Und die Emotionen dürfen danach wieder Raum bekommen.


Schwiegereltern

Auch das Thema Schwiegereltern ist für viele belastend.
Einige kommen sehr gut miteinander aus – andere nicht.

Hier gilt für mich ein zentraler Grundsatz:
Jeder Erwachsene darf entscheiden, mit wem er sich in einen Raum begibt – und mit wem nicht.

Wenn das Verhältnis angespannt ist, spüren Kinder das. Unausgesprochene Worte sind sichtbar.
Auch hier kann Aufteilen entlasten. Es gibt drei Weihnachtstage – und viele Möglichkeiten.


Zum Schluss

Weihnachten nach einer Trennung ist oft eine große Herausforderung – besonders am Anfang.
Es darf sich verändern.
Und es darf jedes Jahr neu gestaltet werden.

Mit Klarheit.
Mit Struktur.
Und mit dem Vertrauen, dass Familie auch in neuer Form tragfähig sein kann.


Wenn du gerade vor oder mitten in einer Trennung stehst und dir mehr Klarheit wünschst,
habe ich etwas für dich vorbereitet.

Der Klarheitskompass hilft dir, deine Situation einzuordnen, Gedanken zu sortieren
und erste Orientierung zu finden – ruhig, strukturiert und ohne Druck.

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